Polygraphentest (Lügendetektor)

Polygraphentest (Lügendetektor) im Strafverfahren-

Polygraphentest (Lügendetektor) im Strafverfahren- Letzte Hoffnung für Unschuldige?

Seit Jahrzehnten ist die Verwertbarkeit von sogenannten Polygraphentests (Lügendetektortests) in der obergerichtlichen und höchstrichterlichen Rechtsprechung höchst umstritten. Der Bundesgerichtshof lehnte die Verwertbarkeit vom Polygraphentest (Lügendetektor) zunächst strikt ab. Die Verwertbarkeit im Strafverfahren würde gegen Art. 1 Grundgesetz, gegen die Menschenwürde, verstoßen.

Diese Rechtsprechung nahm bisher Beschuldigten und Angeklagten oft eine wichtige Chance, ihre Unschuld unter Beweis stellen zu können. Gerade in Verfahren, in denen allein die Aussage des vermeintlichen Opfers den Angeklagten belastet, bleibt Betroffenen häufig nichts anderes übrig, als die Vorwürfe zu bestreiten.

Andere die Vorwürfe widerlegenden Beweise stehen dem Angeklagten z.B. in Sexualstraftaten oft gerade nicht zur Verfügung. Wenn der Angeklagte nicht zufällig ein Alibi oder ähnlich wirksame Beweise, die für seine Unschuld sprechen, bei Gericht vorlegen kann, hat der Angeklagte oft nur die Möglichkeit, schlicht zu bestreiten. Der Verteidiger ist gehalten, die Zeugenaussagen auf „Herz und Nieren“ zu überprüfen und gerade in Sexualstrafverfahren ( z.B. wegen sexuellem Missbrauch von Kindern, Vergewaltigung oder sexueller Nötigung etc.) die Aussagen der Belastungszeugen vor Gericht anzuzweifeln und Widersprüche aufzudecken. Die Erfahrung zeigt jedoch, der Kampf im Strafverfahren, beim Gericht begründete Zweifel an der Aussage der Belastungszeugen hervorzurufen, ist lang und oft schwierig.

Der Polygraphentest (Lügendetektortest) bietet in allen Verfahren, insbesondere bei Sexualstraftaten ( z.B. sexueller Missbrauch von Kindern, Vergewaltigung, sexuelle Nötigung etc.) die Möglichkeit ein echtes Gegengewicht zu setzen. Der BGH hat diesbezüglich der Verwertbarkeit des Polygraphentests (Lügendetektortests) eine Tür offen gelassen. Es wird sich zeigen, ob der BGH in Zukunft Polygraphentests (Lügendetektortests) im Strafverfahren zulässt.

Zumindest unter verschiedenen namhaften Fachpsychologen für Rechtsmedizin ist die Nachprüfbarkeit und Belastbarkeit von Ergebnissen eines Polygraphentests (Lügendetektortests) unstreitig. Die Ergebnisse sprechen für sich: Der Polygraphentest (Lügendetektortest) weist eine Treffergenauigkeit von bis zu 95 % und mehr auf! Eine Manipulation durch den Probanden ist nahezu ausgeschlossen, die ordnungsgemäße Durchführung des Polygraphentests (Lügendetektortest) nachprüfbar. In vielen Ländern (z.B. Polen) ist der Polygraphentest (Lügendetektortest) als ein Beweismittel sogar in der dortigen Strafprozessordnung verankert. Wieso sollte daher deutschen Angeklagten ein so wichtiges und nachprüfbares Entlastungsinstrument gerade bei Sexualstraftaten verweigert werden?

Sicherlich ist eine zwangsweise Durchführung eines Polygraphentests (Lügendetektortest) nicht mit der deutschen Strafprozessordnung und der Menschenwürde des Angeklagten zu vereinbaren. Es gibt jedoch keine durchgreifenden Argumente, die gegen die Verwertbarkeit eines freiwillig durchgeführten Polygraphentests (Lügendetektortest) im Strafverfahren sprechen.

Wer daher unschuldig z.B. wegen Sexualstraftaten in ein Ermittlungsverfahren hineingezogen wurde oder gegen wen bereits Anklage erhoben worden ist, sollte sich möglichst zeitnah durch den Fachanwalt für Strafrecht Dr. André Pott beraten lassen, welche Möglichkeiten es gibt, die entlastende Wirkung eines Polygraphentests (Lügendetektortests) z.B. bei Sexualstraftaten wie sexuellem Missbrauch von Kindern, Vergewaltigung oder sexuelle Nötigung effektiv zu nutzen und in das Verfahren einzuführen.

Selbst wenn der Polygraphentest (Lügendetektortest) von dem jeweiligen Strafgericht nicht verwertet werden sollte, so beeindruckt allein der Umstand, dass der Angeklagte einen Polygraphentest (Lügendetektortest) positiv durchlaufen hat. Wird der Polygraphentest (Lügendetektortest) zur richtigen Zeit bereits im Ermittlungsverfahren eingebracht, besteht die Möglichkeit sogar eine Anklage zu verhindern.

Die Durchführung eines Polygraphentests (Lügendetektortests) muss durch namhafte Experten erfolgen, mit denen wir zusammenarbeiten und die wir Ihnen empfehlen können. Die Kosten für einen soliden Polygraphentest (Lügendetektortest) belaufen sich auf etwa 1.400 €. Der Test dauert ca. 3-4 Stunden.

In komplexen Fallgestaltungen werden wir zudem mit Ihnen erörtern, inwiefern die Unterstützung von weiteren Experten, mit denen wir dann eng verzahnt zusammenarbeiten, anbieten können.

Bei allen Delikten, bei denen Aussage gegen Aussage steht, kann die Wirkung eines seriös durchgeführten und fachmännisch in das Strafverfahren eingebrachten Polygraphentests (Lügendetektortests) entscheidend sein. Gerade bei Sexualstraftaten sollte die Durchführung eines Polygraphentests (Lügendetektortests) von Ihnen ernsthaft in Erwägung gezogen werden. Sprechen Sie uns an.

Deutsches Gericht läßt erstmals Lügendetektor zu!

Der Fall: Wie so häufig stand Aussage gegen Aussage. Die Ehefrau beschuldigte ihren Ehemann sie im Schlafzimmer vergewaltigt zu haben. Der Ehemann bestritt diese Beschuldigung von Anfang an. Dennoch erhob die Staatsanwaltschaft Anklage gegen ihn wegen Vergewaltigung. Die Staatsanwaltschaft war demnach der Auffassung, dass eine Verurteilung des Angeklagten überwiegend wahrscheinlich war und ihm im Strafverfahren die Vergewaltigung nachgewiesen werden kann.

Im Strafverfahren vor dem Amtsgericht Bautzen (Urteil vom 26.3.2013, Az.: 40 Ls 330 Js 6351/12) wurde entgegen der bisherigen Rechtsprechung der zuvor vom Angeklagten abgelegte Polygrafentest im Verfahren zugelassen. Der Polygrafentest kam zu dem Ergebnis, die Aussage des Angeklagten, er habe seine Ehefrau nicht vergewaltigt, sei mit hoher Wahrscheinlichkeit wahr.

Der Angeklagte wurde nicht zuletzt durch die Zulassung des Polygrafentests vom Gericht freigesprochen. Das Amtsgericht war der Überzeugung, dass der von einer Fachpsychologin durchgeführte Test nachprüfbar und damit verwertbar ist.

Das Urteil des Amtsgerichts Bautzen stellt zumindest nach der derzeitigen Rechtsprechung noch eine Ausnahme dar. Dennoch zeigt dieses Urteil, dass sich einzelne Gerichte von der Verwertbarkeit und dem Aussagegehalt von Polygrafentest überzeugen lassen. Es bleibt abzuwarten, ob nunmehr auch andere Gerichte den Polygrafentest verstärkt zulassen werden.
(siehe zur Urteilsbesprechung auch: http://www.holmputzke.de/index.php?option=com_content&view=article&id=25&Itemid=32 )

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Rechtsanwalt, Strafverteidiger und Fachanwalt Dr. jur. André Pott (Tätigskeitsschwerpunkt Strafrecht, Strafverfahrensrecht, Sexualstraftaten, Führerscheinentzug, Drogen-, Straßenverkehrs- und Gewaltdelikte, Nebenklage, Opferschutz und Zeugenbeistand) ist zugelassen am Amts- und Landgericht Detmold. Dr. Pott hat den Fachanwaltslehrgang Strafrecht zum Erwerb des Fachanwaltstitels "Rechtsanwalt für Strafrecht" erfolgreich absolviert. Rechtsanwalt und Strafverteidiger Dr. jur. André Pott übernimmt Strafverteidigungen bundesweit und im Raum Ostwestfalen-Lippe, insbesondere in den Bereichen Bielefeld, Paderborn, Detmold, Lage, Bad Salzuflen, Lemgo, Horn- Bad Meinberg, Herford, Steinheim, Extertal, Höxter und Blomberg. Wir vertreten Sie in Strafverfahren wegen Körperverletzung, Betrug, Raub, Totschlag, Trunkenheitsfahrten, Fahrten unter Drogeneinfluss, Fahrerflucht, Bedrohung, Nötigung, Nötigung im Straßenverkehr, Diebstahl, sexueller Nötigung, sexuellem Mißbrauch, Vergewaltigung und allen anderen Strafverfahren. Zudem übernehmen wir als Fachanwalt für Strafrecht Vertretungen von Nebenklägern und Opfern von Straftaten.